Die Berliner Turfansammlung


Die Berliner Turfansammlung beherbergt die Textfunde, die vier deutsche Forschungsexpeditionen unter der Leitung von Albert Grünwedel und Albert von Le Coq vor mehr als 100 Jahren in der Oase von Turfan und in anderen Regionen des Tarimbeckens, die heute zum Autonomen Gebiet Xinjiang der Volksrepublik China gehören, gemacht haben. Neben den ca. 40.000 Fragmenten von Handschriften und Blockdrucken gehörten Tausende Kunstobjekte zu den Funden. Wandmalereien, Plastiken, Tempelfahnen, Holzfiguren und herausragende Handschriftenfunde befinden sich heute im Museum für Asiatische Kunst in Berlin-Dahlem; die wissenschaftliche Erschließung der Textfunde obliegt der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, die auch deren Eigentümerin ist. Die konservatorische und bibliothekarische Verantwortung hat die Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz inne.
Zu den herausragenden Schätzen der Textsammlung gehören zahlreiche Reste der manichäischen Literatur. Auch die Wiederentdeckung einer vollkommen verschollenen, einst aber weit verbreiteten, iranischen Literatursprache, des Sogdischen, gelang auf der Grundlage dieser Textfunde. Zu den Höhepunkten der erfolgreichen Forschungsarbeit an den Texten gehört die Entdeckung des "Tocharischen", einer indogermanischen Sprache, die erst durch die Textfunde aus Ostturkistan bekannt wurde.
Die geborgenen Texte, auf Stein, Holz, Birkenrinde, jedoch vor allem auf Papier niedergeschrieben, sind zumeist religiösen Inhalts. Sie gehören den drei Weltreligionen des Buddhismus, des Manichäismus und des nestorianischen Christentums an. Darüber hinaus gibt es aber auch Zeugnisse weltlicher Literatur, Briefe, medizinische, astrologische und Kalender‑Texte, sowie Wirtschafts‑ und Verwaltungsdokumente. Als Buchformen kommen Rollen, Faltbücher, Codex-Bücher, aber auch geheftete oder nach dem Vorbild indischer Pustakas gestaltete und zu Stapeln geordnete Bücher vor. Zahlreiche Faltbücher bezeugen einen weit verbreiteten Holzdruck. Kolophone erwähnen eine Auflagenhöhe von mehr als tausend Exemplaren. Daneben gab es Einblattdrucke, die als Amulette, Kalender oder Bilder Verwendung fanden.